Geschichte des Hauses


Seit August 2009 hat die Frühförder- und Beratungsstelle der Lebenshilfe Merseburg gGmbH in der ehemaligen Villa Eichhorn in Merseburg einen festen Standort gefunden.
Die immer umfangreicher werdenden Geschäfte machten schließlich 1877/78 Erweiterungsbauten mit Bahnanschluss notwendig. Daneben entstand das schöne neue Wohnhaus in der Lauchstädter Straße in Merseburg mit Speicher, Pferdestall, Wagenremise und Kutscherwohnung.


Auguste Günther, geboren am 01.04.1849, war die Tochter des Fleischermeisters Friedrich August Günther in Volkmarsdorf bei Leipzig. Durch Vertrag vom 16.06.1867 wurde sie von Ihrer Tante Maria Dorothea verw. Rummel, einer Schwester ihres Vaters, adoptiert. Diese starb am 28.09.1880 und hatte Auguste zur alleinigen Erbin ihres beträchtlichen Vermögens eingesetzt, da ihre einzige Tochter jung und kinderlos gestorben war.
Hugo Eichhorn war am 27.02.1847 als Sohn des Stellmachmeisters Carl Gottlob Eichhorn in Merseburg geboren worden.

Am 16.08.1869 wurde im "Goldenen Arm" neben dem alten Rathaus in Merseburg, dem 1. Haus am Platze, die Hochzeit von Hugo Eichhorn und Auguste Günther gefeiert.
Das junge Ehepaar wohnte zunächst im Hause der "Tante Rummel" am Markt 11, wo vier seiner fünf Kinder zur Welt kamen.

Hugo Eichhorn, der zuerst als Handlungsreisender tätig war, begründete noch im Jahr der Hochzeit 1869 mit erst 22 Jahren sein Handelsgeschäft mit Getreide und Düngemitteln in einer vor dem Gotthardtor gepachteten Scheune.

Am 07.02.1870 wurde seine Firma in das Handelsregister eingetragen. Er hat es wohl verstanden, sich die Zeichen der Zeit zunutze zu machen, als der Gebrauch von künstlichem Dünger wie Peru Guano und Chili Salpeter einen großen Aufschwung erlebte.
Am 01.06.1877 übernahm er das Getreide- und Producentengeschäft C. Zaulich.

Die immer umfangreicher werdenden Geschäfte machten schließlich 1877/78 Erweiterungsbauten mit Bahnanschluss notwendig. Daneben entstand das schöne neue Wohnhaus in der Lauchstädter Straße mit Speicher, Pferdestall, Wagenremise und Kutscherwohnung.
Die zwei Töchter und drei Söhne verlebten in dem großzügigen Haus eine sorglose Kindheit und Jugendzeit. Mitte der 80er Jahre bekam der Garten seinen endgültigen Umfang und wurde als Park gestaltet.
Text und Bildmaterial aus der Chronik wurden zur Verfügung gestellt von Frau Rosemarie Bährmann, einer Urenkelin von Familie Eichhorn.
Während des Kaisermanövers vom 14.-20.09.1883 wurde Graf von Moltke im Hause beherbergt, dessen Portrait fortan den Schreibtisch des Herrn Eichhorn zierte.
Neben seinen Geschäften war Hugo Eichhorn auch im städtischen Interesse eifrig tätig. Schon in jungen Jahren wurde er Stadtverordneter und später Stadtrat, welches Amt er bis zum Jahre 1911 innehatte.
Seit 1882 war er Mitglied der Handelskammer in Halle, später Handelsrichter in der Kammer für Handelssachen am Landgericht Halle.
Am 30.09.1909 wurde ihm vom preußischen König das Patent als Kgl. Kommerzienrat verliehen.